Der Mobvoi TicNote ist ein KI-Diktiergerät in Kreditkartenformat. Er nimmt auf, verschriftet und fasst zusammen, und er bringt mit Shadow einen KI-Agenten mit, der über den fertigen Text hinaus mit Ihnen arbeitet. Die Hardware überzeugt an drei Stellen. Es gibt 64 GB Speicher und einen physischen Schiebeschalter für Anrufe oder Aufnahmen im Raum. Dazu kommt ein monatliches Gratiskontingent über dem Marktdurchschnitt. Grenzen gibt es bei der Laufzeit, beim proprietären Ladekabel und beim Serverstandort. Dieser Test ordnet ein, für welche Arbeitsweise der TicNote passt und wo ein Blick auf Alternativen lohnt.
Was der Mobvoi TicNote ist und für wen er gemacht ist
Der TicNote ist ein KI-Aufnahmegerät des chinesischen Herstellers Mobvoi, der unter anderem von Google und Volkswagen finanziert wird. Er ersetzt nicht das Diktiergerät allein, sondern den ganzen Weg von der Aufnahme bis zum strukturierten Text.
Merkmal |
Mobvoi TicNote |
|---|---|
Kategorie |
KI-Diktiergerät, Kreditkartenformat |
Mikrofone |
3 MEMS-Mikrofone, Aufnahme mit 1536 kbps |
Aufnahmemodi |
Hardware-Schiebeschalter: Telefonat oder Raumaufnahme |
Speicher |
64 GB, nach Herstellerangabe rund 434 Stunden |
Akku |
Bis zu 25 Stunden Aufnahme, über 20 Tage Standby |
Anzeige |
OLED-Display |
Sprachen |
17 Sprachen in Echtzeit, über 120 Sprachen nach der Aufnahme |
KI-Funktionen |
Shadow-Agent: Zusammenfassung, Mindmap, Deep Research, Chat |
Freikontingent |
600 Minuten pro Monat, im Kauf enthalten |
Preis in Deutschland |
ca. 136,00–170,00 € |
Am meisten eignet sich das Gerät für diese drei Gruppen:. Erstens Berufstätige, die viel telefonieren und den Anruf direkt als Protokoll brauchen. Zweitens Studierende mit langen Vorlesungen, für die 64 GB und 25 Stunden Laufzeit komfortabel reichen. Drittens alle, die weniger ein Tonarchiv als ein durchsuchbares Wissensablage wollen.
Zur Produktfamilie gehören außerdem der TicNote Lite als abgespeckte Variante und die TicNote Pods, KI-Ohrhörer mit eigenem Mobilfunk. Dieser Test bezieht sich auf den TicNote mit 64 GB.
Aufnahme und Audioqualität: die beiden Hardware-Modi
Die beste Idee am TicNote ist der physische Schiebeschalter. Nach oben schaltet er in den Telefonmodus und erfasst das Gespräch über einen Vibrationssensor am Smartphone. Nach unten schaltet er in den Raummodus, für den Mobvoi eine Reichweite von bis zu 10 Metern angibt.
Das löst ein echtes Problem. Wer beide Situationen mit einem Gerät abdecken will, muss sonst in einer App umschalten, und genau das vergisst man im Moment des Anrufs. Ein Hardwareschalter am Gehäuse ist verlässlicher als ein Menüpunkt.
In der Praxis liefert das Gerät für Sprache gute Ergebnisse. Am Konferenztisch bleiben Wortmeldungen verständlich, und die Verschriftung kommt bei klarer Aussprache sauber durch. Zwei Einschränkungen sind zu nennen. Erstens sinkt die Erkennungsgenauigkeit in lauten Umgebungen deutlich, das berichten auch deutsche Tester. Zweitens ist eine Herstellerangabe zur Reichweite immer ein Bestwert unter günstigen Bedingungen. Drei Mikrofone erfassen ein breites Feld, sie können aber weniger Richtwirkung erzeugen als größere Arrays mit separater Sprachsensorik.
Aufgenommen wird in WAV. Das kann praktisch sein, denn Sie behalten damit eine unkomprimierte Originaldatei und sind nicht auf das Transkript allein angewiesen.
Shadow: was der KI-Agent aus Ihren Aufnahmen macht
Shadow ist der Teil, der den TicNote von einem klassischen Diktiergerät abgrenzt. Der Agent erzeugt nach dem Stopp automatisch Zusammenfassung, Mindmap und sogenannte „AHA-Momente“ (Aha-insights), und Sie können ihn danach zum Inhalt befragen.
Vier Funktionen sind im Alltag relevant. Der Chat beantwortet Fragen zu einer einzelnen Aufnahme. Deep Research erstellt längere Analysen über mehrere Dateien hinweg. Das Projekt-Wiki sammelt zusätzliche Dokumente, damit der Agent den Kontext eines Vorhabens kennt. Und Branchenvorlagen liefern fertige Strukturen für Recht, Vertrieb, Beratung und Medizin.
Bei den Sprachen lohnt ein genauer Blick, weil Marketing und Praxis hier auseinandergehen. In Echtzeit arbeitet der TicNote in 17 Sprachen. Die über 120 Sprachen gelten für die Verarbeitung nach der Aufnahme. Für deutschsprachige Meetings ist beides abgedeckt, für seltenere Sprachen kann der Unterschied aber entscheidend sein.
Beim Export ist der Stand gemischt. Audio geht als WAV, das Transkript als TXT, die Zusammenfassung als Markdown und die Mindmap als PNG. DOCX, PDF und Xmind kündigt der Hersteller an, verfügbar sind sie noch nicht. Wer Protokolle in Word weitergibt, kopiert also vorerst manuell.
Akku, Speicher und Bedienung im Alltag
Mobvoi gibt bis zu 25 Stunden Aufnahme und über 20 Tage Standby an. Das reicht für eine Arbeitswoche mit mehreren Terminen pro Tag, ohne dass Sie an das Laden denken müssen.
Der Speicher ist der stärkste Hardware-Wert. 64 GB entsprechen nach Herstellerangabe rund 434 Stunden Audio. Damit läuft das Gerät nicht voll, auch wenn Sie Aufnahmen aus Nachweisgründen länger behalten.
Zwei Schwachstellen hat das Gerät jedoch: Der TicNote lädt über ein magnetisches Spezialkabel, nicht über USB-C. Verlieren Sie es unterwegs, hilft kein Ersatzkabel aus der Schublade. Und die Bedienung setzt das Smartphone voraus: Ohne gekoppelte App kommen Sie an Transkript und Zusammenfassung nicht heran.
Preis, Freiminuten und was danach dazukommt
In Deutschland liegt der TicNote bei rund 136,00–170,00 €, abhängig von Händler und Ausführung (Stand: 10. September 2026). Der Hersteller legt jedem Hardwarekauf den kostenlosen Standardplan mit 600 Minuten KI-Transkription pro Monat bei.
600 Minuten sind etwa 10 Stunden Verschriftung im Monat. Für zwei bis drei Termine pro Woche genügt das. Wer mehr aufzeichnet, braucht den Pro Plan, den Mobvoi mit 79 US-Dollar pro Jahr für 2.100 Minuten monatlich angibt.
Ein Detail ist wichtiger als der Preis. Ist das Monatskontingent aufgebraucht, speichert der TicNote neue Aufnahmen weiter, verschriftet sie aber nicht mehr automatisch. Sie verlieren also keine Audiodatei, aber der Nutzen bricht bis zum Monatswechsel ein. Rechnen Sie deshalb vor dem Kauf Ihre reale Monatsmenge aus: Termine pro Woche, mal durchschnittliche Länge, mal vier.
Über drei Jahre gerechnet landen Sie bei Gratiskontingent auf dem reinen Gerätepreis. Mit Pro Plan kommen rund 237 US-Dollar Software dazu, was die Anschaffung mehr als verdoppelt. Das ist keine Kritik am TicNote, sondern gilt für diese Geräteklasse insgesamt. Nur gehört es in die Kaufentscheidung.
Mobvoi TicNote und Plaud Note Pro im Vergleich
Beide Geräte lösen dieselbe Aufgabe und setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Der TicNote bietet das größere Gratiskontingent und einen Agenten mit Recherchefunktion. Das Plaud Note Pro setzt auf Mikrofonarray, Laufzeit und dokumentierte Zertifizierungen.
Merkmal |
Mobvoi TicNote |
Plaud Note Pro |
|---|---|---|
Mikrofone |
3 MEMS |
4 MEMS und 1 VPU mit Beamforming-Technologie |
Aufnahmereichweite |
Bis zu 10 Meter (Herstellerangabe) |
Bis zu 5 Meter |
Moduswechsel |
Hardware-Schiebeschalter |
Intelligente Dual-Modus-Aufnahme, automatisch |
Akku bei Aufnahme |
Bis zu 25 Stunden |
Enhance-Modus bis zu 30 Stunden, Endurance-Modus bis zu 50 Stunden |
Standby |
Über 20 Tage |
Bis zu 60 Tage |
Speicher |
64 GB |
64 GB |
Anzeige |
OLED-Display |
InstantView AMOLED display |
Sprachen |
17 in Echtzeit, über 120 nachträglich |
112 Sprachen über Plaud Intelligence |
Freikontingent |
600 Minuten pro Monat |
300 Minuten pro Monat im Plaud Starter Plan |
Laden |
Magnetisches Spezialkabel |
PogoPin auf USB-C |
Übertragung |
Bluetooth |
Bluetooth BLE 5.4, Dual-Band WLAN |
Veröffentlichte Zertifizierungen |
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, kein KI-Training |
ISO 27001, ISO 27701, DSGVO, SOC 2, HIPAA, EN 18031 |
Preis |
ca. 136,00–170,00 € |
189,00 € |
Zwei Punkte gehen klar an den TicNote. Das Gratiskontingent ist mit 600 Minuten doppelt so hoch wie im Plaud Starter Plan, und der Anschaffungspreis liegt niedriger. Wer selten aufnimmt und nie ein Abo will, fährt damit günstiger.
Drei Punkte sprechen für das Note Pro. Vier MEMS-Mikrofone plus separate Sprachsensorik erzeugen Richtwirkung, was in größeren Räumen den Unterschied zwischen brauchbarem und mühsamem Transkript macht. Die Laufzeit ist im Endurance-Modus doppelt so lang. Und der Moduswechsel läuft automatisch, Sie können also keinen Hardwareschalter in der falschen Position vergessen. Wie sich das im Alltag anfühlt, zeigt unser Praxis-Test zum Plaud Note Pro.
Kurz gesagt: Wenig Aufnahmen und knappes Budget sprechen für den TicNote. Große Räume, lange Tage und dokumentierte Compliance sprechen für das Note Pro. Eine breitere Übersicht der Kategorie finden Sie in unserem Beitrag zum KI-Diktiergerät.
Wo Ihre Aufnahmen liegen: Serverstandort und DSGVO
Bei einem Gerät, das Gespräche in die Cloud schickt, ist der Speicherort eine harte Anforderung, keine Randnotiz. Mobvoi beantwortet die Frage in der eigenen Dokumentation eindeutig: Die Daten liegen auf US-Cloud-Infrastruktur und werden nicht für das Training von KI-Modellen verwendet. Nachlesen können Sie das im TicNote User Guide.
Für viele Anwendungen ist das unproblematisch. Relevant wird es, sobald besonders schützenswerte Inhalte im Spiel sind, etwa Mandantengespräche, Personalthemen oder Gesundheitsdaten. Dann brauchen Sie eine belastbare Grundlage für die Übermittlung in ein Drittland, und Ihre Datenschutzbeauftragte wird nach Auftragsverarbeitungsvertrag und technischen Maßnahmen fragen.
Plaud veröffentlicht dazu eine Reihe geprüfter Standards. Plaud ist konform mit ISO 27001, dem internationalen Standard für Informationssicherheits-Managementsysteme, und konform mit ISO 27701, dem globalen Standard für Datenschutzmanagement. Hinzu kommen DSGVO, SOC 2 und für die Geräteseite EN 18031. Die Nachweise liegen im Trust Center.
Beide Hersteller machen also Angaben, sie sind nur unterschiedlich tief geprüft. Der praktische Rat lautet deshalb: Klären Sie zuerst, welche Inhalte Sie aufnehmen, und wählen Sie das Gerät danach. Nicht umgekehrt.
Deutsche Fachsprache im Transkript
Die Qualität eines Transkripts entscheidet sich an Eigennamen, Abkürzungen und Fachbegriffen. Genau dort raten Sprachmodelle, wenn niemand ihnen vorher sagt, worum es geht.
Im Deutschen kommt eine Besonderheit hinzu. Zusammengesetzte Substantive wie Rahmenvertragsverhandlung oder Vorsorgeuntersuchung sind lang und selten, und ein falsch getrenntes Kompositum verändert den Sinn. Dazu kommen Anglizismen mitten im deutschen Satz, die viele Systeme phonetisch verstümmeln.
Was hilft, ist Vorbereitung statt Nachbearbeitung. Legen Sie vor der ersten Aufnahme eine Liste mit Kundennamen, Produktbezeichnungen und internen Kürzeln an. Plaud Intelligence arbeitet dafür mit Branchenglossaren, etwa für Medizin, Recht und Finanzen, verschriftet in 112 Sprachen und ordnet Aussagen einzelnen Sprechern zu. Wie so ein Ablauf konkret aussieht, beschreibt unser Beitrag dazu, wie die KI-Transkription arbeitet.
Aufnahmen in Deutschland: was rechtlich gilt
In Deutschland ist das Aufzeichnen des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ohne Einwilligung strafbar. § 201 des Strafgesetzbuchs stellt das unter Strafe, unabhängig davon, welches Gerät Sie verwenden. Im beruflichen Umfeld gilt zusätzlich die DSGVO, denn eine Sprachaufnahme enthält personenbezogene Daten.
Einwilligung einholen
Der erste Schritt jeder Aufnahme ist die Ansage, dass aufgenommen wird.
„Bevor Sie aufnehmen, informieren Sie andere und holen Sie deren Einverständnis ein. Vielen Dank, dass Sie die Privatsphäre und lokale Gesetze respektieren.“
Praktisch heißt das: Ansage am Anfang, kurze Bestätigung aller Beteiligten, und ein Satz dazu, wofür die Aufnahme verwendet wird. Mehr zur Rechtslage steht in unserem Beitrag dazu, ob es illegal ist, jemanden ohne Erlaubnis aufzunehmen.
Was im Unternehmen zusätzlich zählt
Drei Punkte gehören auf die Liste. Erstens die Rechtsgrundlage und die Information der Betroffenen nach Artikel 13 DSGVO. Zweitens die Beteiligung des Betriebsrats, sobald Aufnahmen im Arbeitsverhältnis anfallen. Drittens ein Löschkonzept mit fester Aufbewahrungsfrist und einem Verfahren dafür. Bei einem Gerät mit 64 GB Speicher und Cloud-Ablage ist der dritte Punkt der, der am häufigsten vergessen wird.
Den Test mit einem echten Termin machen
Der Mobvoi TicNote ist ein durchdachtes Gerät. Der Schiebeschalter ist in dieser Preisklasse die beste Lösung für den Wechsel zwischen Telefonat und Raumaufnahme. Auch 600 Freiminuten pro Monat sind fair. Wer in großen Räumen aufnimmt, lange Tage hat oder geprüfte Compliance nachweisen muss, sollte sich vorher das Plaud Note Pro ansehen. Testen Sie das Gerät Ihrer Wahl an einem Termin, den Sie ohnehin nachbereiten müssen. Vergleichen Sie danach das Transkript mit Ihren eigenen Notizen.
























